KI geht mir so auf den Sack!
Kürzlich hab ich visuell rumgespielt mit KI. Gar nicht so einfach, den richtigen Prompt zu formulieren. Es gibt eine Seite daran, die mich fasziniert. Seit 20 Jahren interessiere ich mich für grafische und visuelle digitale Programme, nachdem ich als Jugendliche alle analogen Techniken studiert hatte. Stunden, Wochen, Jahrzehnte habe ich in mein Wissen gesteckt. KI ist eine krasse Erweiterung davon. Ich möcht's wissen und ausprobieren.
Irgendwie geil?
Irgendwie pervers.
Auf der anderen Seite geht mir KI so auf den Sack!
Ja. Social Media war mal eine Plattform „from the people for the people“, bis sie durch all die KI-generierten Posts und Captions total verwässert wurde.
Wie lässt man kritische Stimmen erstummen, ohne den Menschen ihre Plattform wegzunehmen?
Man lässt sie ihre eigene Plattform selbst mit Schlamm und Müll überfluten, durch hundertmal zitierte, kopierte und generierte Halbwahrheiten und Lügen, ob visuell, sprachlich oder musikalisch … bis zur totalen Verwirrung und … Spaltung?
Was früher für kreativen Ausdruck da war, ist jetzt voll mit Inhalten, generiert mit KI. Bilder, Fotos, Texte, Posts, Captions, Musik … ganze Profile, die Wissen vermitteln … von Menschen hinter KI-Masken, die keinen Fokus und keine Geduld mehr haben für Vertiefung, sondern lieber schnell, schnell, perfekt-glossy generieren und viral gehen.
Copypasting von der Kopie, der Kopie, der Kopie – überall.
Gedankenstriche.
Überall – gosh!
Früher war es die astrale Welt, nebst lichtvollen Spirits, die voller dunkler Schlacke und Elementale war. Ähnlich wie der Abfall des menschlichen Geistes. Heute ziehen sich ähnliche Schlacken und dunkle Geister in einem so extremen Ausmass verselbstständigt und viral durch unsere Plattformen, so dass es mich beginnt anzuwidern.
Ich teile weniger auf Social Media, weil ich irgendwie keinen Bock mehr habe, meinen Senf in diese Sosse mit reinzumischen … in der Hoffnung auf deine Aufmerksamkeit, dein Like im Sumpf dieser Generierungen.
Eventuell muss ich mein Profil ganz anders einrichten, um einen klaren Fokus zu schaffen.
Denn der Fokus ist das, was hier total verloren geht. Fokus und Konzentration wären die hohen Künste des Geistes. Unsere Superkraft, welche die Realität formen könnte … wenn wir nur Geduld und Spaciousness hätten.
Swipe. Scroll … und weiter.
NEXT.
Nichts soll deine Aufmerksamkeit richtig catchen, bis auf die schockierendste aller News.
Dort bleibt man hängen.
Sogwirkung. Abgrund. Rabbit Hole. Empörung. Schock?
Bis zur Lähmung.
Machen dagegen können wir trotzdem nichts?
Stille Akzeptanz, obwohl's im Bauch zusammenzieht. Sofort das Handy weglegen, tief atmen, um es im nächsten Moment wieder für ein paar Scrolls hervorzunehmen.
Ist es der Nuggi oder die Muttermilch und die mütterliche Liebe, die wir missen und hier kurz künstlich stillen?
Gestern hat mir jemand erzählt, dass der Regisseur eines neuen Super-Blockbusters – ich bin nicht informiert und irgendwie froh darüber , nicht alles trendige mitzubekommen, so wie ich erst gegen Ende der WM überhaupt mitbekam das WM ist – keine E-Mail und kein Handy besitzt. (Der Film heisst Odyssee, übrigens enorm teuer und ohne KI, Special Effects oder Green Screen produziert.) Denn mit einem Handy wäre dieser Regisseur obsessed (wie wir alle) und nicht fokussiert und genial genug, um solche Filme zu kreieren.
Damn!
Ich weiss. Ich wäre 50× kreativer und passionierter, wenn ich all die Handyzeit mit mir und meinem Geist, meiner Fantasie, Kreativität und meinem Baby verbringen würde …
Und ehrlich: Ich will dahin zurück.
Ich lasse mir Zeit, aber ich möchte eine Zukunft ohne das alles.
Das ist mein Ziel.
Seit der Pandemie sind wir alle Profiscroller geworden oder „Queenscroller“, wie mein Mann mich ab und zu nennt, wenn es plötzlich verdächtig still wird in unserer Wohnung …
Als ob die Pandemie ideal war, um die Menschen an die Digitalisierung zu gewöhnen oder abhängig zu machen … Seither kommen wir fast nicht mehr davon los. Zudem sind lokale, kleine und echte Unternehmen eingegangen und digitale Märkte gewachsen. War das etwa eine geniale kapitalistische Inszenierung?
Ich möchte meine Genialität zurück.
Meinen Fokus und das totale Eintauchen in irgendetwas – egal was. Dafür muss ich längerfristig weg vom Handy und ganz weg vom Scrolling. Vielleicht abtauchen, nur in den einen ultramarinblauen Pinselstrich, wie Yves Klein vielleicht … Die Farbe aufsaugen. Im Bett vor dem Einschlafen darin schwelgen, die Augen zu und ganz eingenommen sein vom tiefen Blau, welches mich und meinen Geist zu reinigen scheint.
Tief eingenommen von meiner Kreation. Das Nervensystem, das nicht abschalten kann, nicht wegen Scrollen oder einer neuen Horror-Headline, sondern lebendig vibrierend von meiner eigenen Kreativität. Mich darin erkennen, spüren, wahrnehmen … Wie das Göttliche, das sich durch das Leben selbst erfährt, mich durch eine weitere Kreation selbst erfahren.
Dabei in der Echtheit des Lebens baden.
Roh und ungeschönt.
No rendering, no gloss, no artificial clarity, no visual optimization, but organic imperfection, natural asymmetry and randomness …
Genau wie der Prompt, den ich eingeben würde, um KI-Visuals zu generieren, die nach echt und real aussehen sollen …
aber eben auf der echten Leinwand des Lebens.
Stay blessed,
Sonja.